Vorweg einmal plakativ:

Das RKI meldet seit Mitte Mai keine Neuinfektionen an COVID-19.

Diese Aussage ist belastbar und wird unmissverständlich in aktuellen Publikationen so vom RKI berichtet (https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/30-31_20_Ergaenzung.pdf?__blob=publicationFile), lediglich ergänzt um das Wissen der 99% Signifikanzquote der Testungen.

Daraus leitet sich präzise formuliert natürlich nicht ab, dass es keine Neuinfektionen gibt (immerhin wird ja auch nicht ganz Deutschland getestet), sondern, dass man seit Mai 2020 keine Testevidenz für Neuinfektionen hat. Es ist also eine in dem Diskurs vermeidbare Angriffsfläche, davon zu sprechen “es gibt keinen Neuinfektionen seit Mai”; es reicht ja schon zu sagen, daß seit Beginn Juni offenbar alle Maßnahmen ohne Evidenz beschlossen wurden bzw. fortgeführt worden.

Hier eine Grafik, wie beeindruckend rasch der Anteil positiver Test “nullt”. Es gibt wirklich seit Juni nur noch ein sogenanntes statistisches Grundrauschen. Noch einmal: Das Ergebnis ist NICHT, dass es keine Infektionen mehr gibt, sondern lediglich, dass man nichts mehr messen kann, und demzufolge schleierhaft ist, auf welcher Basis die Maßnahmen aufrecht erhalten werden.

Nachtrag am 19.09.2020: Auch bis jetzt (natürlich!) hat sich daran nichts geändert; die Positivquote bleibt unter 1%, also unterhalb der Messbarkeitsschwelle.

Auch aus dem RKI-Bericht von dieser Woche liest man wie gering COVID19 zur Sterberate beiträgt.

Noch ein paar Details:

Hier ein paar ziemlich naheliegende Überlegungen (nach Prof. Dr. Bathke, FB Mathematik, Universität Salzburg und auch Dtsch Arztebl 2020; 117(18): A-954 [Prof Hess]) zur Problematik der “Zählung” von Dingen mit geringer Prävalenz (wenig Dinge mit dem ausgeprägten Merkmal in Relation zur Grundgesamtheit.

Mutmaßlich haben aktuell weniger als 1% der Deutschen COVID19 in folgendem Sinne: das Virus kann im Rachenabstrich im PCR Testverfahren nachgewiesen werden und der Patient ist oder war bis vor Kurzen ‘infektiös’.

Tatsächlich meldet ds RKI die Anzahl der ‘Neuinfektionen’ anhand der PCR Tests fest (also die Rachenabstriche). Siehe dazu auch die originalen Daten vom RKI:

KWAnzahl Testsdavon positivPositiv Rate
Bis einschließlich KW 10124.7163.8923,1 %
KW 11127.4577.5825,9 %
KW 12348.61923.8206,8 %
KW 13361.51531.4148,7 %
KW 14408.34836.8859,0 %
KW 15380.19730.7918,1 %
KW 16331.90222.0826,7 %
KW 17363.89018.0835,0 %
KW 18326.78812.6083,9 %
KW 19403.87510.7552,7 %
KW 20432.6667.2331,7 %
KW 21353.4675.2181,5 %
KW 22405.2694.3101,1 %
KW 23340.9863.2080,9 %
KW 24326.6452.8160,9 %
KW 25387.4845.3091,4 %
KW 26467.0043.6740,8 %
KW 27505.5183.0800,6 %
KW 28510.1032.9900,6 %
KW 29538.1443.4830,6 %
KW 30570.6814.4640,8 %
KW 31577.9165.6341,0 %
KW 32672.1716.9091,0 %
KW33891.9888.6610,97%
KW341.055.6628.9210,85%
KW351.101.2998.1780,74%
KW361.051.1257.7540,74%
KW371.162.13310.0250,86%
KW381.148.28213.2681,16%
KW391.153.07514.0441,22%

(Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/30-31_20_Ergaenzung.pdf?__blob=publicationFile)

Der PCR Test hat, wenn der Test von medizinischem Personal durchgeführt wird, eine Spezifität von maximal 99%. Testen wir also 10.000 Personen gehen wir davon aus, dass  9.900 Personen tatsächlich gesund sind und 100 Personen erkrankt  (Prävalenz 1%) sind. Von den 9.900 tatsächlich Gesunden würden wir den Test mit 99% ‘Genauigkeit’ (besser: ‘Spezifität’) durchführen, also 99 tatsächlich Gesunde falsch positiv testen.

Der Test hat nun eine Sensitivität von 80%, das bedeutet, nur 80% der tatsächlich Erkrankten wird im Test als ‘Positiv’ erkannt. (Das hört sich nicht so toll an, ist aber im Grunde schon recht gut; im Übrigen wird daher auch mehrmals getestet, wenn es wichtig ist, den Zustand wirklich richtig einzuschätzen; denn bei zwei Test liegt man schon bei ‘Trefferquote’ 96%).

Mit der ‘Trefferquote’ (besser: ‘Sensitivität’) von 80% findet man nun mit dem Test 80% der 100 tatsächlich Erkrankten, also 80 Personen.

Damit hat man 179 der 10.000 Personen als ‘positiv’ getestet und das ist genau die Zahl, die von den Laboren an das RKI und von dort in die Presse gemeldet wird: 179 ‘Neuinfektionen’. Wir wissen aber nun aus diesem theoretischen Modell, dass 100 Personen tatsächlich erkrankt sind. Die Anzahl der Neuinfektionen wird also um fast das Doppelte überschätzt. Bei einer Durchseuchung von deutlich weniger als 1% ist diese Überschätzung übrigens noch dramatischer, wie sich leicht errechnen lässt.

Dieses statistische Phänomen ist natürlicherweise unvermeidbar verbunden mit Untersuchungen (gleich welcher Art) an Systemen, in denen die untersuchte Ausprägung eine geringe Prävalenz hat.

Insgesamt bleibt natürlich die Statistik in Ihrer zeitlichen Entwicklung wenn nicht sehr quantitativ aufschlussreich, aber in bestimmten Grenzen qualitativ aufschlussreich über die Beurteilung der zeitlichen Entwicklung der Ausprägung, also hier der COVID19 Epidemie.

Kategorien: Allgemein

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