“Drosten glaubt ‘so langsam’ an keine zweite Corona-Welle bis Herbst.” lt.WELT vom 02.06.2020.

Er reiht sich nun mal ausnahmsweise hinter seinem Kollegen Streeck ein, nachdem der immer mehr Rückenwind bekommt. Ist das nun billiger Opportunismus, ist es ein “save your ass move” oder abgestimmte, kalkulierte De-Eskalation der Angst. In jedem Fall aber populistisch formuliert, denn wissenschaftlich.

Ich habe in meinen Jahren als Wissenschaftler noch nie Verlautbarungen von Wissenschaftlern in dieser Art und Weise gehört. Wie kann man nur die Öffentlichkeit glauben machen, dass sich in der Wissenschaft Vorhersagen aus Aussagen vom Glauben Einzelner ableiten lassen? Ich finde das diskreditiert den Wert wissenschaftlichen Arbeitens und meiner Meinung nach sollte er sich schämen für solche Auftritte, selbst wenn es hier nur um die Schärfung der Formulierung geht.

Die Öffentlichkeit sollte informiert werden, mit welcher Voraussicht eine zweite Welle vermieden wird, welche Maßnahmen erwartbar sind und im Idealfall sollte für die interessierte Öffentlichkeit Informationen bereitstehen, auf Basis welcher Fakten sich das ableitet.

Eine unqualifizierende, unquantifizierende aber griffig klingenden Aussage hat nun wieder das Geschmäckle einer konzertierten Angstregulierung; woraus man ableiten kann, dass die Gefahr erwartbarer Eskalation durch die massenhaften Kontakte und Nähe während der Sommerferien offensichtlich so gering ist, dass man sich zu so profunder Wegnahme der Angst traut.

Kein Wunder, wir haben mit Stand heute in Deutschland weniger als 7.000 erfasste aktive COVID-19 Erkrankte gemeldet, in unseren Nachbarländern CH und A sind es noch deutlich weniger; um nicht zu sagen vernachlässigbare gemeldete Erkrankungen und über Beatmung- und Betreuungsnotstand redet schon längst keiner mehr. Das RKI meldet seit Wochen in Deutschland keine grenzwertige Auslastung in irgentwelchen Krankenhäusern; vermutlich hat es die auch in diesem Jahr auch nicht gegeben.

In den meisten europäischen Ländern scheint der Höhepunkt überschritten. Dies stützt sich auf Daten der JHU (Stand heute) und zusammen mit Drosten’s Verlautbarung dürfte man wohl offensichtlich die Öffentlichkeit zum Start der Sommerferien auf die Rückkehr zum Alltag bzw. auf unbeschwertes Sommerferienkonsumverhalten einschwören wollen.

Also: Schöne Ferien!

Kategorien: Allgemein

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