Die Gemüter erhitzen parallel zur immer bedrohlicher werdenden Kommunikation. Es gibt Twitter Channel der Bundesregierung, in denen junge, kerngesunde Menschen (zum Beispiel Fitnesstrainer) berichten von Ihren Coronainfektionen und den Folgeschäden.  Die Schweizer Gesellschaft für Intensivmedizin hatte die Menschen zuvor darum gebeten, ihre Patientenverfügungen zu aktualisieren, um den Ärzten bei einer Einlieferung die Entscheidung über Leben und Tod zu erleichtern. Und das sind nur zwei Beispiele. In den Medien wird Angst geschürt. Sogar die Hoffnung der Menschen auf die Impfung wird brüsk gedämpft. Herr Lauterbach verkündet, Geimpfte wären “nicht raus”. Man wüsste ja nicht, ob man nicht doch noch ansteckend sei und C19 doch bekommen könnte, in schwacher aber natürlich hochansteckender Form. Es wird alles für bare Münze angenommen, es kommt kein Aufschrei. Im Gegenteil, man schwingt voll mit und jeder hat Geschichten parat; immer von einem Freund, der eine(n) kennt, der einen kennt. … Es sind dann immer junge Leistungssportler, die es total umgehauen hat. Klar. Ich weiß schon immer vorher, wer mir solche Geschichten erzählen wird.

Überall Barone von Münchhausen

Im privaten Umfeld erzählt man mir “Bisher ist in der Romandie die absolute hölle los gewesen. Bei meinen Bekannten in Payerne [Anmerkung: 8.192 Einwohner] (Kanton Waadt) sind alle betroffen.” Alle! Im ganzen Kanton Waadt übrigens sind zu dem Zeitpunkt genau 6027 Fälle bekannt; also ist die Aussage maßlos übertrieben. Ich frage mich, was bewegt Menschen, solche Dinge in die Welt zu setzen? Recht behalten? Nicht falsch liegen zu wollen? Auf Kosten der Wahrheit den ‘einzig richtigen’ Standpunkt zu verkaufen? Letzteres vermutlich am ehesten. Dies ist eine Religion.

Ein Anderer erzählt mir, eine Arztpraxismitarbeiterin sei mit einer aktiven und diagnostizierten C19 Erkrankung in die Praxis zum Arbeiten gekommen und hat Gottseidank keinen angesteckt. Echt jetzt? Die Mitarbeiterin geht also trotz Krankheit so gerne arbeiten, dass Sie nicht nur Ihren Job riskiert, sondern auch Ordnungsstrafe von mehreren Tsd. Euro, sowie Strafverfolgung wg. mindestens vorsätzlicher Körperverletzung in Kauf nimmt. Was für eine absurde Gescichte. Ich halte für ausgeschlossen, dass in dieser Geschichte Wahrheit steckt. Aus gleicher Quelle vernehme ich noch weitere Stories von Tod und Verderb aus garantiert zuverlässigen Arztquellen. … und das Gesundheitsamt xy flüstert diskret in die Gerüchteküche Eingeweihter, dass fast 90% der Positiven “Ausländer” sind. Ist klar. Es wird immer schmutziger. Was passiert da? Wenn man WHO oder RKI Zahlen gegen hält hört man lapidar “Negativ. du bist da gefährlich auf dem falschen Dampfer unterwegs”.

Ich höre noch: “Andere zu infizieren ist definitiv kein Grundrecht.” Äh? In jedem Fall einer jener markigen Sprüche, die auch ohne wirklichen Inhalt jede inhaltlich faire Unterhaltung töten, und aktuell leider der Geist der Stunde ist.

Im Gemeindebrief der ev. Kirche im hiesigen Bezirk in der Weihnachtsausgabe wird nicht mit versöhnlichen Worten vorweihnachtliche Stimmung gezaubert und der Adventszeit zugearbeitet; nein der Herr Pfarrer persönlich schreit in einer Tirade zu Corona dem Widerstand ein wütendes “Gehts noch?” entgegen und meint “…dass man sie [Anmerkung: man ahnt es schon, gemeint sind die Verschwörungstheoretiker] wieder aufs Töpfchen setzen müsste”. Der weihnachtliche Gemeindebrief wird missbraucht für politische Hetze. Es ist wahnsinnig viel Druck im Kessel. Und kürzlich höre ich doch tatsächlich von einem Akademiker, man müsse Bakhdi in die Uranminen schicken und nicht wieder rauslassen. Kein Witz! Das sagen Menschen, die jede Kritik als rechts diffamieren.

Der WDR schreibt “Fühlt ihr euch mit den Corona-Regeln für Weihnachten überfordert? Oder wisst ihr schon, wie ihr Weihnachten dieses Jahr feiern werdet? Entscheiden müssen die Menschen in NRW das am Ende wohl selbst. Denn die Politik sagt: Feiern mit 10 Personen ist erlaubt. Die Politik appelliert aber auch: Vernünftig sein. Die Kölner Psychotherapeutin Gabriele Fischer findet: Mit diesen unterschiedlichen Signalen der Politik würden die Menschen mit einer ziemlich großen Entscheidung alleine gelassen.” Diese Psychotherapeutin trägt wirklich Sorge, Menschen seien nun überfordert, zu entscheiden, wie Weihnachten zu feiern sei?

Die Kommunikation mit Phrasen von “ist erlaubt” löst noch mehr Störgefühl aus, als “ist verboten”, oder? Das ist bedenklich nah am nächsten Schritt, nämlich dass Dinge verboten sind, sofern sie nicht explizit erlaubt sind.

 

 

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