Gestern habe ich einen Bericht gesehen. Ein sehr freundlicher und sympathischer Reporter des ZDF interviewt einen Querdenker, den er kennengelernt hat; die Kontakt wird in diesem Sinn als privater Kontakt angekündigt. Das Gesprächssetup ist entsprechend und der freundliche Reporter lässt den Querdenker nach kurzer Provokation (“wieso bemängelst Du tendenziöse Behandlung des Themas im Mainstream; es wird doch immer wieder alles besprochen und auch öffentlich diskutiert und in Frage gestellt”) einfach reden. Medienungewohnt, gebauchpinselt auf Grund dieser Gelegenheit öffentlichen Interesses und in der naiven Annahme eines zugewandten Gespräches im freundschaftlichen Umgang, redet der sich natürlich sofort um Kopf und Kragen; der sympathische Reporter animiert freundlich lächelnd und bekräftigend nickend (double bind nennt man so ein verwirrendes Verhalten) und dann wird rasch abgeblendet und kommentiert. … Im Zusammenschnitt wird das Trauerspiel also gnädig nach maximal einer Minute beendet und der Reporter führt in retrospektiver Kommentierung das Denkbare aus: Der Querdenker hätte, wie man sich denken könne, sich immer weiter in Absurditäten verstrickt und wäre am Ende natürlich auch bei Bill Gates gelandet.

So unfair vorgeführt, so wenig ‘Fakten-check’, so wenig Information und auch so wenig Diskurs. Wieder einmal: Pfui!

Am Gleichen Tag, also am 16.12. meldet der WDR: Ein Mediziner (Dr. Mathias Mengel) aus dem sächsischen Zittau hat von den ersten “Triage”-Fällen berichtet – und damit eine Debatte ausgelöst.”

Wirklich? Also alle Betten voll in Sachsen? Nein, es gibt 23% freie Betten (14 freie Betten) im Landkreis Görlitz. Auch lt. Register der Intensivmedizin (www.divi.de) gibt es Stand 15.12.2020 keine Gemeinde in Sachsen, deren Kapazität ausgeschöpft ist, um genau zu sein gibt es tagesaktuell 235 freie Betten in Sachsen. Es ist unglaubwürdig, dass hier aktuell jemand unversorgt bleibt oder gar sterben muss, weil man keinen Platz hat; diese Meinung teilt auch der Präsident der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin.

Der WDR meldet auf diesbezügliche Nachfrage und nun mittlerweile auch online in einem ergänzendem Artikel, daß es an medizinischem Personal mangelt, nicht an der Bettenkapazität. “Es fehle vor allem an Personal. “Im Falle des Erreichens von Grenzen zur Aufnahme von Patienten in unseren Corona-Stationen würden diese an die umliegenden Krankenhäuser ausgeflogen werden”, so das Klinikum.” Weiterhin äußert sich auf der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin kritisch zu der Aussage des Arztes “Es erschließe sich ihm nicht, was zu der “eklatanten Mitteilung” geführt habe. “Ich bin vorsichtig in der Bewertung, ob da eine Triage stattgefunden hat”.

Nun, es bleibt die Meldung vom 16.12., in der man als Leser zum Schluß kommen muss, dass es in Zittau zu solch dramatischen Situationen kam; sofern man nicht weiter vertieft. ‘Weil alle Betten belegt sind, müssen Ärzte Menschen unversorgt sterben lassen.‘ ist wohl das, was hängen bleiben wird. Ist dies ein ‘Angst macht Auflage‘ Geschäft?

Dies ist nur eines von vielen Beispielen. Wo auch immer man sich festbeißt, findet man diese Unwahrheiten. Es ist halt nur immer auch ein Zeitaufwand, das zu recherchieren.

Ein Abgeordneter hat dieser Tage in ähnlicher Weise den Bürgermeister von Berlin mit Fakten konfrontiert, die Falschaussagen aufzeigen; man ist inzwischen allerdings so brüsk und selbstsicher im Umgang mit Kritik, dass der Bürgermeister locker mit einem “Ich zitiere nur die Zahlen, die mir genannt werden” davon kommt und das Thema damit vom Tisch.

Der Tagesspiegel berichtet am 21.12. München, Augsburg und Offenbach melden vollständige Belegung der Intensivbetten. Gemäss DIVI hat München 11% freie Betten, Augsburg 19%, Offenbach 19%. Ganz abgesehen davon ist erhebliche Reservekapazität verfügbar. Die Zahlen wären nicht so wichtig, wenn nicht alleine an dieser Stelle damit so transparent wird, wie viel Unwahrheit, so viel Fake News publiziert wird, die Menschen Angst macht.

Tote in Döbeln – eine wirklich betrügerische Berichterstattung

Am 24.01.2020 stellt die Deutsche Welle ein Video vor, wo ein Mitarbeiter des Krematoriums in Döbeln, Sachsen, über katastrophale Zustände berichtet. “Das Krematorium in der Kleinstadt Döbeln kann seine Arbeit kaum noch bewältigen. (…) Gerold Münster hat länger überlegt, ob er das machen soll – Journalisten empfangen, um ihnen zu zeigen, wie es in seinem Krematorium momentan aussieht. Als Geschäftsführer muss er die Würde der Verstorbenen im Blick behalten. Man wolle auch keine Ängste schüren, fügt er hinzu.”

Nun ist der Artikel keinesfalls sachlich, sondern voller überfordernder Bilder von stapelweisen Särgen und fließbandartiger Sargverbrennungen mit entsprechend getragener Moderation.

Faktum ist, in den letzten 10 Monaten sind lt RKI in Döbeln 322 Personen an oder mit COVID19 verstorben. Man mag selbst bewerten, ob sich ein Extrafall pro Tag nach katastrophaler Situation anhört. Ich persönlich wundere mich jedenfalls nicht, das diese für die Einschätzung wirklich wichtige Zahl im Beitrag partout nicht erwähnt wird.

Umso interessanter sind, wie auf Reitschuster berichtet wird, die Aussagen von Steffen Fröbisch, dem Leiter des Plauener Krematoriums, die kürzlich in einem Beitrag des Vogtland Anzeigers zu lesen waren. ‚Ich werde zur Zeit mit Presse-Anfragen geradezu bombardiert. Man will am besten Fotos von Leichenbergen.‘ erklärt der Leiter des Krematoriums in dem Beitrag. Dabei sei über die Feiertage einfach ein Rückstau entstanden, weil vier Arbeitstage (24./25./31.12. und 01.01.) entfielen. Weiterhin sagt er ’70 Prozent der Toten kommen aus Krankenhäusern und aus Heimen, 30 Prozent von zu Hause.‘ Bei denen, die zu Hause sterben, stehe nie Covid als Todesursache auf dem Totenschein; bei denen aus Heimen stehe es ‘bei allen‘ auf dem Schein

Hinzu käme noch die besondere geografische Grenzlage zu Polen und Tschechien. Früher wichen viele Menschen mit Bestattungen ins billigere Polen und Tschechien aus. Dieser Weg sei nun aber kaum noch möglich. Die Kapazitäten der heimischen Krematorien sei entsprechend geringer, weil eben sonst sehr viele Menschen im benachbarten Ausland eingeäschert werden.

Hier ein paar kurze Impressionen aus einem Mitschnitt der RTL Fernsehaufnahmen.

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