Heute erinnerte ich mich spontan an eine 35 Jahre alte Geschichte. Mein Schulfreund kam damals immer mit dem Fahrrad zur Schule. Die Luftpumpe und einen Helm trug er immer mit sich herum.

Ich erinnere mich nun an unser Gespräch dazu. Er erwähnte, er könne ja weder das eine noch das andere gut sichern und habe Angst bestohlen zu werden und ich entgegnete, er kaufe sich diesen Gewinn an Sicherheit aber mit einem hohen Preis, nämlich permanent mit diesen unhandlichen Gegenständen herumzulaufen. Im Übrigen wäre das ja auch eine Art Grundsatzentscheidung richtungsweisend für das Leben: lieber auf Comfort und das Dolce Vita verzichten zur Maximierung des Gefühl von Sicherheit.

Ich würde es vorziehen, mir vermutlich einmal im Leben die Luftpumpe stehlen zu lassen, um dann dafür den Rest des Lebens nicht mit Luftpumpe herumzulaufen.

Übrigens, ich denke, die Wahrscheinlichkeit, dass mir bei meiner kalkulierten Unvorsicht die Luftpunpe gestohlen wird, ist nicht geringer, als Sie einmal liegen zu lassen, wenn man sie mit sich rumschleppt.

Nun, das ist zugegebenermaßen eine kleine, dumme Anekdote. Ich denke, es überträgt sich dennoch in naheliegender Weise auf unsere aktuelle Situation. Die dramatische Reaktion mag naheliegen: ‘ja, tolle Geschichte. Nur dass es hier um Tod und Leben geht.’ Aber ist das so einfach zu beantworten? Wie viele Leben bedrohen wir durch unsere täglichen, ganz banalen  Entscheidungen? Ganz sicher kostet die Entscheidung, Billgware bei PRIMARK zu kaufen manchen Menschen deutlich mehr Gesundheit und dann am Ende Leben, als wenn wir FAIR gehandelt einkaufen. Uns ist wohl allen klar, dass man hier zahlreiche Beispiele finden wird.

Wichtig ist, festzustellen, dass jede Entscheidung für mehr Sicherheit auch immer kollaterale Kosten und Risiken hat, auch lebensbedrohliche. Es muss doch jedem klar sein, dass es nicht einfach zu beantworten sein wird, dass unser aktuelles Handeln ein kompromissloser Kampf gegen das Virus ist. Dieser Kampf ist natürlich nicht kompromisslos. Es ist allerdings so, dass der Kompromiss, also das Kollateral, zu größten Teilen zu Lasten derer geht, die ohnehin schwach sind. Wie geht es wohl gerade den Obdachlosen, Unbeschäftigten, Kleinunternehmern, Gastronomen, Hoteliers, den Behinderten, Verwirrten, Depression, Alten, Allein-Gelassenen, den Kindern, und am Ende auch den Tieren?

Ich finde, es ist ein beklagenswerter Mangel an Nächstenliebe, wenn Menschen unbeschwert in vergüteter Kurzarbeit oder Home-office aktuell auf Ihren sonnigen Terrassen das Familienleben geniessen, ab und an mal für die Systemrelevanten applaudieren, und es bei einem Stück Plunder aus der Bäckerei gelingt, die verordnete Not vieler Mitmenschen auszublenden.

Wie sehr lenkt uns am Ende unser kompromissloser Fokus (der ‘Fokus’  ist nämlich durchaus kompromisslos) von den drängenden Themen für Flora, Fauna und Klima ab? Das wiederum ist nicht nur ein wichtiger direkter Kollateralschaden, als vielmehr die Umkehrung von Ursache-Wirkung; denn die lebensbedrohlichen Fälle der COVID-19 Erkrankungen ereilen mit großer Signifikanz die Orte, wo viele Menschen in schlechter Luft leben.

 

 

Kategorien: Allgemein

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