(Shakespeare, Hamlet)

Von einem Moment auf den anderen habe ich mich in einer neuen Wirklichkeit wiedergefunden. Einer Wirklichkeit, die ich nie für möglich gehalten hätte. Noch immer kommt mir alles sehr surreal vor, mag ich es nicht glauben, doch scheint es Realität.

Ich lebte in dem Glauben von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Diese Ideale existieren nicht mehr so wie wir sie alle kannten. Freiheit existiert nicht mehr, keine Hobbys, keine Reisen, keine Demonstrationen, keine Versammlungen, keine Umarmungen. Gleichheit existiert nicht mehr, der Entwurf eines zweiten Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage sieht ein Dokument vor, mit dem ich meinen Serostatus belegen kann (Immunitätsdokumentation). Bei Anordnung und Durchführung von Schutzmaßnahmen, kann dann entschieden werden, ob die Person von der Maßnahme ausgenommen werden kann. Es wird demnach die geben, die Zutritt erhalten und die, die keinen erhalten. Brüderlichkeit existiert nicht mehr, Waren des täglichen Bedarfs werden aufgekauft, zu Wucherpreisen angeboten, Kinder spielen nicht miteinander, Menschen essen nicht mehr miteinander.

Solidarität ist nun nicht mehr das Miteinander, sondern die, natürlich gemeinsame, Distanzierung voneinander. Und das alles im Namen der Gesundheit. Im Namen der Gesundheit? Noch nie ist etwas im Namen der Gesundheit geschehen, jedoch immer im Namen des Wachstums. Die Luft wird verpestet, Pestizide gesprüht, alles notwendige Übel zu Lasten der Gesundheit, welches akzeptiert und hingenommen wird. Doch nun wird uns die Gesundheit nicht mehr genommen, es wird darauf aufgepasst. Staatlich verordnet und mit dem Verzicht auf unsere Menschenrechte, für die unsere Ahnen ihr Leben gelassen haben. 

In diesen Zeiten stelle ich mir, einsam und isoliert zu Hause, die Frage, ob unsere staatliche Gewaltenteilung wirklich noch existiert, ich stelle mir die Frage, ob wir eine Gesellschaft der Angst und sozialen Distanzierung sein wollen, oder eine Gesellschaft der Freiheit und Nächstenliebe. Ich bin ein Mensch, der unerschütterlich an die Freiheit, Mündigkeit und Selbstverantwortung eines jeden einzelnen glaubt, auch und gerade in einer solchen Krise. Ich erinnere: Menschenrechte sind das Fundament der Demokratie und nicht verhandelbar!

Kategorien: Allgemein

5 Kommentare

Burkhard Stieglitz · 9. Juni 2020 um 0:39

Stimme mit Ihnen sehr überein, insbesondere mit Ihrem Satz: Noch nie wurde im Interesse der Gesundheit eine solche Aktion unternommen.
Nehme auch gern den Kommentar zur Kenntnis eines vermutlichen Eidgenossen. Ich bin ein großer Bewunderer der Schweizer Demokratie und haben jahrzehntelange Freundschaften in die Schweiz – Kanton Zürich- und würde mich freuen diesen Kreis erweitern zu können. Aber auch hier in Wuppertal sollten wir uns zusammenfinden zu einem Glas Wein.
Die persönliche Beziehung ist das Wichtigste in dieser Zeit.

Burkhard

alex · 4. Mai 2020 um 15:23

Es ist wirklich schön, dass es bei Euch gut zugeht.
Bei uns funktioniert die Gewaltenteilung allerdings grad nicht sauber. Die Regierung beklagt öffentlich, dass sich Gerichte mit der Rechtmässigkeit der Erlasse beschäftigen (WAS, 30.04. Interview mit Kanzleramtschef). Unsere Kanzlerin bekennt sich in offizieller Ansprache am 18. März zum temporären Aufgabe einiger Eckpfeiler unserer Demokratie insb. freiheitlicher Menschenrecht.

Ich freue mich schon auf das Thema mit Dir mal bei einem Glas Wein und FIGUGEGL, … es wird schon wieder einmal möglich.

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    Beat · 4. Mai 2020 um 16:39

    FIGUGEGL hat immer Saison. 🙂 Keine Ahnung, ob das vegan im Caquelon funktioniert. 🙁
    Aber zumindest für RIGUGEL bin ich zuversichtlich(er). 😉
    Last but not least: schwere Kost + schwerer Wein + schwere Themen? Aktuell bleiben wir positiv denkend daheim. Später feiern wir das Leben mit leichtem Reden…

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Beat · 3. Mai 2020 um 22:03

“Im Namen des Wachstums” fühlt sich irgendwie eher anders an als wie steigende Arbeitslosenzahlen und zunehmende Unternehmungskonkurse.
“Es” und “staatlich” sind in einer Demokratie letztlich wir, das Volk, der Souverän.
Beispielsweise die Versammlungsfreiheit ist vorübergehend eingeschränkt. Aber wir lieben nach wie vor unsere Nächsten- Die freiheitlichen Menschenrechte sind nicht aufgegeben. Dank alternativen Kommunikationskanälen sind wir weder einsam noch isoliert daheim.
Die Gewaltenteilung funktioniert: beispielsweise hat ein Gericht den kantonal verfügten Lockdown von Ü65 aufgehoben.

alex · 3. Mai 2020 um 20:05

sehr starker Beitrag

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