Die neuen Werte unserer Gesellschaft

Dritter Lockdown. Wir zählen nicht mehr die Jahre nach Christi Geburt, wir zählen die Lockdowns.

Was hat sich seit 2020 verändert? Was ist geblieben? Wie geht es uns? Was hat uns die Zeit gebracht? Was wird sie uns noch bringen? Was wollen wir? Was wollen wir nicht?

‘Virus statt Jesus’ klingt nach einer theologischen Betrachtung unserer Krise. Diese wird es von mir nicht geben. Aber auf diese Art der Betrachtung brachte mich eine wunderbare Theologiestudentin. Sie stellte unter anderem die Frage nach dem neuen Heilsbringer. In den Zeitungen wurde die Suche nach einem Vakzine mit der Suche nach dem heiligen Gral verglichen, beobachte sie. Haben wir schon begonnen die Ankunft eines Impfstoffes viel mehr herbeizusehnen, als die Ankunft Jesu Christi? Die Gottesdienste mussten zumindest ausfallen, während die Impfungen an Weihnachten anliefen. Ein wunderbares Denkangebot, wie ich finde.

Die Gemeinschaft der Gläubigen trifft sich nicht mehr in der Kirche. Wie sieht es mit anderen Gemeinschaften aus? Vereinsarbeit? Chöre? Schulen? Hochschulen? Familie? Mau bis gar nicht mehr vorhanden. Doch wo bilden wir nun unsere Werte aus? Wo leben wir sie und wie tragen wir sie weiter? 

Lassen sich Würde, Freiheit, Gleichheit, Freundschaft, Nächstenliebe, beim twittern und streamen manifestieren? Mitnichten. Unsere vorhandenen Werte lassen sich dauerhaft nur in fühlbaren Kontakten erleben. Doch gebe ich etwas weiter wenn es virtuell wird und was gebe ich weiter? Erleben wir einen Wertewandel?

Werden moralische Werte ersetzt durch den 7 – Tage Inzidenz – Wert und den R – Wert, durch Distanzierung und Impfbereitschaft?
Die Würde weicht dem Gehorsam, die Freiheit folgt dem R – Wert, die Gleichheit zeigt sich in der Impfbereitschaft, Freundschaft bedeutet Distanz und die Nächstenliebe wartet in leeren Stuhlreihen auf unseren Nächsten. Unser Nächster einsam zu Hause, in einer Situation der größten Not.

Der Wunsch nach echten Kontakten ist jedoch gerade in der Krise am größten. Wir suchen die Verringerung der Angst, die Informationsgewinnung und den sozialen Vergleich im Austausch mit Anderen. Doch haben wir den sozialen Austausch in persona seit einem Jahr abgeschafft. Wir sind nicht mehr in der Lage, eine gemeinsame Welt zu teilen, über sie nachzudenken, sie infrage zu stellen oder sie anzupassen, da unsere menschliche Interaktion eingeschränkt ist. Als Gesellschaft sind wir handlungsunfähig; wir stecken im ewigen lockdown fest. Unser Wertegefüge ist in sich zusammengebrochen. 

Wollen wir uns weiterhin an Fallzahlen und Modellrechnungen orientieren? Bringen wir Menschen nicht eine natürliche Vernunft mit? Eine Intuition, die uns hilft Entscheidungen zu treffen und abzuwägen? Hat uns diese Vernunft, dieser Geist, nicht durch tausende von Jahren getragen? Viele Gläubige wenden sich ab vom heiligen Geist und treten aus der Kirche aus, viele vernunftbegabte Menschen verlieren ihren Geist und treten aus der Demokratie aus.

Wir müssen wieder zueinander finden, die Gemeinschaft und den Austausch suchen. Uns dabei in unser Antlitz schauen und die Maske absetzen, wohl wissend das Gottes Antlitz bei den Leidenden zu finden ist.  

Kategorien: Allgemein

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